Gartentipps Januar 2022

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Wenn es nicht vorwintert, wintert es nach

Für den Winterschnitt an unseren Obstbäumen sind in den kahlen Kronen kranke und quer wachsende Äste leichter zu erkennen als im belaubten Zustand. Foto: Albrecht E. Arnold/Pixelio

Kronen auslichten und Stämme kalken. Damit Obstbäume viele gesunde Früchte tragen, werden sie regelmäßig geschnitten. Ideal dafür ist der Winter, weil man in den kahlen Kronen kranke oder quer wachsende Zweige leicht erkennen kann. Der Sommerschnitt direkt nach der Ernte ist auch möglich, bei den belaubten Ästen aber schwieriger. Für Äpfel wie Birnen gilt: Sich kreuzende Zweige und nach innen wachsende Äste werden herausgeschnitten. Waagerechte, flach wachsende Triebe sollten möglichst vom Schnitt verschont bleiben. Sie tragen in diesem Sommer die meisten Früchte. Deshalb dürfen diese Triebe auch nicht eingekürzt werden.

Generell gilt, dass man Wunden ab einem Durchmesser von 2 cm mit Wundverschlussmitteln bestreicht. Das würde nur das Trieb-, nicht aber das Fruchtwachstum fördern.

Pflaumen- und Mirabellenbäume in einer Schnittgruppe zusammen. Alle sollten möglichst wenig geschnitten werden, denn Steinobst ist nicht sehr schnittverträglich. Das bedeutet: Man sollte nicht mehr als ein Fünftel der Äste auf einmal entfernen. Außerdem ist es wichtig: Große Wunden verheilen schlecht, viele kleine Schnittwunden führen dazu, dass der Baum im kommenden Frühjahr sehr viele steil aufrecht wachsende Triebe bildet, sogenannte Wasserschosser. Dadurch verliert der Baum Kraft und trägt weitaus weniger Früchte. Deshalb gilt beim Schnitt von Steinobstbäumen folgende Grundregel: besser weniger schneiden, aber dafür gezielt. Sägen Sie also ruhig mal einen dicken Ast komplett ab, statt viele Seitenzweige und Äste nur einzukürzen. Generell werden alle Zweige komplett entfernt, die steil nach oben oder schräg nach innen wachsen. Als Schutz vor Infektionen werden selbst kleine Schnittwunden mit einem Wundverschlussmittel verstrichen.

Kirschbäume werden nur geringfügig korrigiert, Hauptschnittzeit ist unmittelbar nach Abschluss der Ernte.

Apfelbäume – Obstbaumkrebs wirksam bekämpfen. Meist passiert es bei der Ernte: Man verletzt die Rinde, ohne es zu merken. Die Wunden sind Pforten für den Obstbaumkrebs, eine Pilzinfektion, die sich schon ein paar Wochen nach der Ernte bemerkbar macht. Zu Anfang sieht man platte Stellen, die Rinde fällt ein oder blättert ab. Auf diese Symptome sollten Sie Ihre Bäume spätestens jetzt kontrollieren. Um zu sehen, wie weit der Pilz bereits ins Holz gewandert ist, muss man mit einem scharfen Gärtnermesser, einer Hippe, die Wunde ausschneiden. Wenn rund um die Infektion noch ein Rand mit weißem, also gesundem Holz zu sehen ist, muss der Ast nicht völlig abgeschnitten werden. Wenn die Äste tot und trocken sind, hat man leider keine andere Möglichkeit, als die Äste komplett abzuschneiden.

Starke Äste werden „auf Astring“ abgesägt: Der Schnitt wird weder parallel zum Stamm noch mehrere Zentimeter entfernt vom Stamm geführt, sondern leicht schräg entlang des Astrings. Damit bleibt die Wunde so klein wie möglich, und der Baum schafft es, sie zu schließen. Bei sehr kleinen Infektionsherden reicht es, die Wunde auszuschneiden. Sind stammferne Astpartien befallen, kann man auf einen gesunden Seitenzweig „ableiten“.

Tote Äste komplett absägen. Ein Wundverschlussmittel ist selbst bei dicken Ästen nicht nötig.

Ökotipp des Monats: Pfefferminze kann sich selbst nicht leiden. Für die Neuanpflanzungen muss man deshalb alljährlich den Standort wechseln. Erst nach sechs Jahren kann man am ersten Standort wieder neu säen.

Erik Behrens, Gartenfachberater
Zertifizierter Pflanzendoktor

Mit freundlicher Genehmigung  vom Landesverband Sachsen